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Heizen mit Holz und Sonne

Besichtigungstour am 25.10.08 in Baltmannsweiler

Die gestiegenen Kosten für Öl und Gas belasten Industrie und private Haushalte. In Zeiten des Klimaschutzes gewinnen regenerative Energiequellen an Bedeutung. Immer mehr Bürger steigen deshalb um und nutzen Sonne und Holz als Energieträger im Haushalt zur Wärmeerzeugung. Bei einem Rundgang in Baltmannsweiler konnten rund 20 interessierte Bürger sich einen anschaulichen Eindruck davon verschaffen, wie Häuslesbesitzer mit Holz und Sonne heizen. Grünen-Gemeinderat und Fachmann Diplom-Ingenieur Martin Wieland informierte über den neuesten Stand dieser Heizungstechnik. Der selbstständige Solar- und Heizungstechniker unterrichtet am Solar-Energie-Zentrum SEZ in Stuttgart.

Die erste Station führte zu einem Kachelofen mit Wassertasche, der Wärme nicht nur in die Wohnungsluft abgibt, sondern mithilfe der Wassertasche auch in die Zentralheizung einspeist. „Das bedeutet eine hohe Energieeffizienz“, erklärte Wieland. Unterstützt wird diese seit längerem bestehende Holzheizung seit Anfang dieses Jahres von einer thermischen Solaranlage zur Brauchwassererwärmung mit Heizungsunterstützung. Auf dem Dach befinden sich 15 Quadratmeter Kollektorfläche, die an einem sonnigen Oktobertag das Wasser im 1000-Liter-Speicher auf immerhin 62,5 Grad erhitzt. Der Vorbesitzer des Gebäudes hatte als Mitarbeiter eines Stromkonzerns preisgünstig mit Nachtspeicherstrom geheizt. „Mit Strom zu heizen ist aber ein energetisches Verbrechen. Denn nur ein Drittel der Energie, die zur Stromerzeugung verbraucht wurden, kommen am Ende aus der Steckdose, bevor sie wieder verheizt wird”, begründet Heizungsfachmann Wieland diese Aussage.

Martin Wieland mit PelletsDie zweite Station in Baltmannsweiler führte zu einem Wohnhaus mit Stückholz-Vergaserkessel mit thermischer Solaranlage zur Brauchwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Der Häuslesbesitzer ist passionierter „Holzmacher“ und füttert seine hochmoderne Anlage winters einmal täglich mit nur einigen Scheiten Holz, die zusammen mit der Solaranlage mithilfe der Zentralheizung das gesamte Haus mit wohliger Wärme versorgen. „Der Vergaserkessel ist auf dem neuesten Stand, was die Feinstaubproblematik angeht und erfüllt damit auch künftig geltende Standards“, betonte Wieland im Heizungsraum. Die Heizungsunterstützung mithilfe der Solaranlage sei bei einer Südausrichtung des Gebäudes sinnvoll, da nur 15 Prozent der benötigten Wärmeenergie in einem Haushalt für das Brauchwasser benötigt werde, aber 85 Prozent für die Heizung: „Eine richtig dimensionierte Solaranlage mit entsprechendem Speichervolumen kann so den solaren Deckungsgrad erhöhen“, erläuterte Wieland, der derzeit ein Projekt plant, das mithilfe eines 10 000-Liter-Saisonalspeichers und 36-Quadratmeter-Kollektorfläche auf einen Solaranteil von 80 Prozent beim Wärmebedarf für ein Wohnhaus kommt.

Die dritte Station führte die Runde zu einer Pelletheizung mit thermischer Solaranlage zur Brauchwasserbereitung und Heizungsunterstützung. „Wer kein Holz machen kann oder will, auf eine vollautomatische Heizung nicht verzichten will und zudem CO2 neutral heizen möchte, ist mit einer Pelletheizung optimal bedient“, brachte Wieland die Anforderungen auf den Punkt. Die jährliche Anlieferung funktioniert wie beim Heizöl, allerdings ohne öltypische Gerüche. Und auch die Kostenrechnung ist derzeit deutlich preiswerter: „Der Liter Heizöl kostet derzeit 80 bis 85 Cent, zwei Kilo Pellets, was demselben Heizwert entspricht, liegen bei 35 bis 37 Cent“, rechnete Wieland vor, während die Sauganlage für die Pelletzufuhr anspringt. Mit großen Buchstaben steht „Starmix“ auf dem Gerät. Denn die österreichischen KWB-Anlagenbauer setzen auf das Reichenbacher Erzeugnis. „So verdient die Gemeinde Reichenbach mit der Gewerbesteuer noch mit, wenn es um den Einstieg in eine zukunftsfähige Heizung geht “, freute sich der Reichenbacher Grünen Gemeinderat Matthias Weigert, der daheim natürlich auf Holz und Sonne setzt und das schon seit über zehn Jahren. Schließlich müssten auch Lokalpolitiker sich an ihrem eigenen Verhalten messen lassen.